Bewohnerinnen des Augustinum Hamburg testen digitalen Blindenführhund

Hamburg

Drei Augustinum-Bewohnerinnen mit Seheinschränkung erproben einen digitalen Blindenführhund, den die Hochschule für Angewandte Wissenschaften in Hamburg entwickelt.

„Mit dem fühle ich mich richtig sicher!“, so das Fazit von Augustinum-Bewohnerin Renate Isay, nachdem sie den digitalen Blindenführhund auf dem Gelände der Seniorenresidenz in Hamburg getestet hat. Gemeinsam mit zwei weiteren Bewohnerinnen des Hauses hat sie sich an einem Projekt des Departments für Maschinenbau und Produktion der Hochschule für Angewandte Wissenschaften (HAW) in Hamburg beteiligt, das den „Shared Guide Dog 4.0“ zur Unterstützung der menschlichen Navigation im urbanen Nahfeld entwickelt hat.  

Die digitale Alternative des Blindenführhundes soll die sichere Orientierung und Mobilität in bekannten wie auch unbekannten Gegenden ermöglichen und basiert auf den Fähigkeiten fahrerloser Transportfahrzeuge.  

„Mit jedem Testlauf lernen wir dazu, da die Bedürfnisse der Nutzer*innen so unterschiedlich sind“, betont Prof. Dr. Henner Gärtner, Initiator des Projekts „Shared Guide Dog 4.0“ von der HAW. Bereits im vergangenen Jahr hatte ein erster Testlauf in der Augustinum Seniorenresidenz Hamburg stattgefunden – auf Grund des herbstlichen Wetters damals nur im Innenbereich.  

Der „Dog“ basiert auf einem Geländerollator, er wird über einen elektrischen Motor angetrieben und ist mit verschiedenen Sensoren ausgestattet, mit denen er seine Umgebung erfassen und seine Nutzer*innen sicher ans Ziel bringen kann. Zur Lokalisierung kommt ein GPS-Empfänger in Kombination mit einer inertialen Messeinheit und den Odometriedaten der Räder zum Einsatz. Hindernisse werden mit einem 2D-Lidar-Sensor erfasst, kategorisiert und anschließend wird der Befehl zum Ausweichen gesendet. Die Sicherheit des Nutzers und der Nutzerinnen wird über Berührungssensoren in den Handgriffen und einen Sensor, der den Abstand zu Personen erfasst, sichergestellt.  

„Wir unterstützen die HAW gerne bei diesem zukunftsträchtigen Projekt, zumal nicht jeder Mensch mit Sehbeeinträchtigung Hundehalter werden möchte“, sagt Dr. Christian Bendrath, Direktor des Augustinum Hamburg. „Ein Tier aus guter Zucht inklusive Hundetraining kostet rund 30.000 Euro. Der digitale Blindenführhund wird als Leihfahrzeug, eben als „Shared Guide Dog“, für jede seh- und mobilitätseingeschränkte Person erschwinglich“.