Bilanz der „ReifeZeiten“

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Ein Rückblick auf das ungewöhnliche Augustinum Kulturjahr von der Kulturbeauftragten Dr. Paula Väth

Seit 1999 stellt das Augustinum seine Veranstaltungen unter ein Jahresmotto, und so hatten wir uns unter dem Motto „ReifeZeiten“ für 2020 einiges vorgenommen. Es wurden Hochbeete angelegt, Kürbisse gezüchtet und im Speiseplan saisonale Früchte bevorzugt. Um zu verkosten, was wir in aufwändigen Reifeprozessen aus den Früchten der Natur machen, standen der Rumtopf, Weinproben und Whiskey-Tastings auf dem Programm. Aber das sollte nicht alles sein: Reifen können ja auch Gefühle, Entscheidungen, Ideen und Pläne, ganz abgesehen von der geistigen, emotionalen und körperlichen Reife von uns Menschen. Insofern wollten wir uns 2020 auch mit dem Alter und dem Altern von uns Menschen beschäftigen und wie sich die Bilder vom Alter(n) im Lauf der Zeit verändert haben. Außerdem standen jede Menge reife Leistungen im Terminkalender: von frühreifen Künstler*innen bis hin zu den Spätwerken alter Meister sollte alles seinen Platz finden, das Unvollendete inklusive.  

Es gab viele Ideen und konkrete Pläne, unbemerkte Vorbereitungen für Überraschungen. Überrascht wurden wir dann allerdings von einem Virus, das unsere Planungen ziemlich über den Haufen warf. Für einen Moment. Dann setzte ein nicht geplanter Reifeprozess ein, das Beste aus der Situation zu machen. Letztlich hörten wir nie auf, für unsere Bewohnerinnen und Bewohner „Programm“ zu machen, aber unter Ausschluss der Öffentlichkeit und in anderen Formaten: Konzerte fanden vor den Balkonen statt, Sportkurse wurden ins Freie verlegt, Stelzenläufer und andere Kleinkünstler sorgten für Unterhaltung und ein eigens kreiertes Extra-Magazin verkürzte die Zeit während des Lockdowns.  

Mit Beginn des Sommers wurden die Angebote unter Einhaltung aller Vorgaben wieder vielfältiger. Weil wir uns von Corona nicht das Leben diktieren lassen wollten, blieben wir bei unserem ursprünglichen Plan, Erntedank als Höhepunkte der „ReifeZeiten“ besonders zu feiern: Mit Brotstullen, krummem Gemüse, den selbst gezogenen Kürbisse, einer Dankbar, einem Apfelwunschbaum und guter Laune boten wir dem Virus die Stirn und pflanzten als Zeichen der Zuversicht (fast) überall einen jungen Baum. Jetzt am Ende des Jahres können wir resümieren, dass uns die „ReifeZeiten“ in 2020 mehr abverlangt haben, als wir uns das beim der Planung vorstellen konnten. 

Foto: Erntedankfeier, Augustinum