Shikiba Babori: Die Afghaninnen - Spielball der Politik

Überlingen

Shikiba Babori: Die Afghaninnen - Spielball der Politik

Das Schicksal der Frauen in Afghanistan ist schon immer eng mit den politischen Interessen der jeweiligen Machthaber im Land verknüpft. Sie müssen als Eigentum, Druckmittel oder Alibi herhalten, um Politik zu rechtfertigen. Shikiba Babori – in Kabul geboren – zeigt, welche Rolle Frauen in der afghanischen Gesellschaft zugewiesen wird. Sie erzählt Geschichten von Frauen aus unterschiedlichen Landesteilen und gesellschaftlichen Schichten und zeichnet ein differenziertes Bild davon, was es heißt, eine Frau in Afghanistan zu sein: »Wer sich nicht an die Regeln hält, läuftschnell Gefahr, umgebracht zu werden.«
Nach dem überstürzten Abzug der NATO und ihrer Verbündeten Ende August 2021 wird zunehmend klar, wie wenig erfolgreich die Bemühungen des Westens für den Aufbau einer demokratischen Gesellschaftsordnung in Afghanistan waren. Zwar wurde der Einsatz unter anderem mit der »Befreiung der Frauen« legitimiert, doch die Umsetzung dieses Ziels gelang trotz jahrelanger Anstrengungen nur in Teilen und gerät mit dem Abzug der Truppen nun vollends unter die Räder.
Für Frauen und Intellektuelle im Land heißt das: Alle erkämpften Freiheiten sind dahin.
Babori reist regelmäßig nach Afghanistan, um mit Frauen zu sprechen – in Städten wie Kabul oder Masar‐e‐Sharif ebenso wie in ländlichen Gebieten, in denen 90 Prozent der Frauen keinen
Zugang zu Bildung haben. In sechs Kapiteln beschreibt sie, warum der Westen in den letzten 20 Jahren versagt hat, und richtet den Blick zurück bis zu den 1920er Jahren. Sie hält fest, wie es um die rechtliche Situation der Frauen bestellt ist, und was es heißt, als Mädchen in Afghanistan
geboren zu werden. Sie erzählt von Frauen, die unter Lebensgefahr heimlich andere Frauen unterrichten und von anderen, die sich aus Verzweiflung das Leben nehmen.
Babori ist überzeugt: Die Weltgemeinschaft sollte Hintergründe und Lebensrealität in allen Facetten kennen, bevor sie erneut der Versuchung erliegt, afghanische Frauen im Interesse der
eigenen Politik zu instrumentalisieren. Sie zeigt: Das Bildungs‐ und Gesundheitswesen in Afghanistan steht kurz vor dem Zusammenbruch. Die Wirtschaft befindet sich im freien Fall. Geopolitische und wirtschaftliche Interessen, ob von einzelnen Politikern und Befehlshabern oder
von Weltmächten wie USA oder China, stehen oben auf der Agenda. Die Frauen landen einmal mehr im Abseits. Ihr Buch ist ein unmissverständlicher Appell, weiter hinzuschauen und zu handeln: mit nachhaltiger Unterstützung von Bildung, mit Frauen in Schlüsselpositionen und garantierten
Frauenrechten. Für eine in sich stabile, auch für Frauen lebenswerte Nation.

Die Autorin:
Shikiba Babori wurde in Kabul geboren und kam Ende der 70er Jahre mit ihrer Familie nach Deutschland. Nach Afghanistan kehrte sie zum ersten Mal im Jahr 2003 zurück. Seitdem reiste
die Journalistin und Ethnologin regelmäßig in die Heimat ihrer Vorfahren und berichtete in zahlreichen Reportagen von den Entwicklungen dort. Seit dem Abzug der Nato im August 2021
wurde sie zur Stimme der afghanischen Frauen in den deutschen Medien. Sie bildete Journalist:innen in Afghanistan aus und hat das afghanisch‐deutsche Reporter:innen‐Netzwerk
Kalima‐News gegründet.

Die in Überlingen lebende Journalistin Karin Walz wird mit Babori ein Gespräch führen. Walz war Journalistin bei verschiedenen Zeitungen (2 journalistische Auszeichnungen) und für die Wirtschaftsredaktion der DW-TV in Berlin. Arbeitsaufenthalte in den USA, Dozentin für Journalismus / PR / Kommunikation.

 

Ort
Theatersaal
Uhrzeit
19:00Uhr
Eintritt
10 Euro
Veranstaltungsart
Autorengespräch
Vortragende/-r
Autorin Shikiba Babori im Gespräch mit Journalistin Karin Walz
Veranstaltungsreihe
Zeitgeschehen unter der Lupe