Vielstimmig – ein forum zum Kulturjahresmotto

EDITORIAL

Bettina Schumann-Jung, forum-Redakteurin

Von Bettina Schumann-Jung

Es war einer der größten Skandale der jüngeren Mediengeschichte: 2018 wurde bekannt, dass der mehrfach ausgezeichnete „Spiegel“-Autor Claas Relotius große Teile seiner Reportagen und Interviews frei erfunden hatte. Ein Desaster nicht nur für das Nachrichtenmagazin, das für sich seit jeher eine gründliche Recherche und Dokumentation beansprucht hatte, sondern insgesamt für die Glaubwürdigkeit des Journalismus. Seither ist die Lage nicht besser geworden. Mittels Künstlicher Intelligenz ist es inzwischen ein Leichtes, täuschend echt wirkende Bilder, Laute und ganze Filme zu erzeugen, bei denen Gesichter, Stimmen oder Szenen manipuliert werden. 

Fake News sind die Schattenseite in der vielstimmigen Welt, in der wir heute leben. Dass zu den ohnehin schon unübersichtlich vielen Meinungen und Standpunkten noch künstlich erzeugte Stimmen hinzukommen, erschwert den Durchblick erheblich. Doch wir sind solchen Deepfakes nicht hilflos ausgeliefert. Unser Beitrag xxx berichtet über Beispiele, zeigt ihren Einfluss, aber auch wie wir fake News von wahren Fakten unterscheiden können.

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Andererseits ergeben mehrere und unterschiedliche (echte) Stimmen gemeinsam auch immer etwas Neues und Größeres, das ein Mensch allein nicht hervorbringen könnte. Sie sind eine Metapher dafür, was Gesellschaft im besten Fall ist: Zusammenhalt, Verschiedenheit, Toleranz, Gemeinschaft – so formuliert es in unserem Interview Autor Tobias Haberl, der mit dem Bekenntnis zum christlichen Glauben in seiner eher kirchenkritischen Umgebung genau zu dieser Vielfalt beigetragen hat.

Für eine offene Gesellschaft sind viele Stimmen unerlässlich, und manchmal gelingt es, sie in ihrer Verschiedenartigkeit zu einem wunderbaren Ganzen zu vereinen. In der Musik zum Beispiel, wie die Instrumental-Ensembles und Chöre in den Augustinum Seniorenresidenzen zeigen. Mit ihnen beginnt diese Ausgabe – ohne fake News, aber mit vielen Geschichten zu den Menschen im Augustinum, zu anderen Vielstimmigkeiten und dazu ein bisschen Vogelgezwitscher.