VIELSTIMMIG 1/7
Ohne Musik geht es nicht in den Augustinum Seniorenresidenzen. Weil sie die Seele berührt und den Körper aktiviert, weil beim gemeinsamen Singen und Spielen viele Stimmen zusammenkommen und sich zu einem wunderbaren Ganzen vereinen. Und so gibt es in fast jedem Haus entsprechende Angebote: vom wöchentlichen Singkreis bis zum Stadionsingen im Theater mit mehreren Hundert Menschen, von der Trommelgruppe bis zum Kammerorchester.
Concertino Augustinum
Ein Sopran, ein Klavier, eine Geige und ein Cello. Oder: eine Bewohnerin, eine Mitarbeiterin und zwei Nachbarn. Oder: Konzerte mit Stücken von Mozart bis Lehar – das Concertino Augustinum im Augustinum München Nord vereint all das. Gegründet vor mehr als zehn Jahren von Bewohnerin Susanne Heyng, ehemalige Solistin des Münchner Staatstheaters am Gärtnerplatz, ist das Ensemble seit vielen Jahren fester Bestandteil des Kulturlebens in der Seniorenresidenz, ebenso wie seine zweite Besetzung mit Bewohnerin Dr. Angela Hommes am Hackbrett und Susanne Heyng an der Orgel, die die großen ökumenischen Gottesdienste an Gründonnerstag, zu Erntedank und am 1. Advent mit ihrem Spiel bereichern. Alle zu den Proben zusammenzubringen ist nicht immer ganz leicht, sagt Susanne Heyng, aber wenn sie dann gemeinsam spielen, wird daraus ein wunderbares Ganzes – zuletzt mit einem Osterkonzert, das die Vielstimmigkeit der Musiker*innen in viele Stimmungen übersetzte: „Mir ist heut so, ich weiß nicht wie …“
Ein singendes Haus
Summen und Singen auf den Fluren – auch wer nicht alle Termine im Augustinum Stuttgart-Sillenbuch im Kopf hat, merkt sofort, wenn die wöchentliche Chorprobe stattgefunden hat: Auf dem Rückweg zu Appartements und Büros klingen die Lieder, die die Sängerinnen und Sänger einstudiert haben, oft noch nach, animieren vielleicht sogar zum Mitsingen. Es gibt viele Singangebote im Haus, sagt Direktor Markus Burgmeier: in den Gottesdiensten, beim Stadionsingen im Theater mit zuletzt fast 400 Bewohner*innen und natürlich im Haus-Chor von Bewohner*innen, Interessent*innen und Mitarbeiter*innen. Fast alle hier haben Chorerfahrung, sie singen vierstimmig und werden bei größeren Konzerten von einem Orchester begleitet: an Ostern oder Pfingsten, am Ewigkeitssonntag in Gedenken an die Verstorbenen und bei der Bewohner-Weihnachtsfeier. Als nächstes steht das Sommerfest an mit einem Programm, das mit Liedern verschiedener Länder gleich in mehrfacher Hinsicht vielstimmig ist.
Oldie Drummer
Los geht es mit Bodypercussion: Hände, die klatschen, Füße, die stampfen. Erst unisono, danach versetzt im Kanon. Ein Rhythmus entsteht, der immer komplexer und dann auf die Instrumente übertragen wird. Wenn die Rhythmusgruppe des Augustinum Mölln sich zur wöchentlichen Probe trifft, ist der ganze Körper eingebunden, egal wie beweglich er im Alltag ist. Gegründet wurde sie vor einigen Jahren von einer Bewohnerin, die als Psychoanalytikerin um die wohltuende Wirkung von Musik weiß, und Peter Seibert, damals noch Leiter der Kreismusikschule Lauenburg, zu der die Gruppe bis heute gehört. Inzwischen bestehen die Oldie Drummer, wie sie sich nennen, aus rund 15 Damen und Herren und verfügen über ein beachtliches Instrumentarium aus afrikanischen und südamerikanischen Trommeln, Shakern, Klangstäben und Xylophonen. Zu besonderen Gelegenheiten geben sie Konzerte, zuletzt mit Kindern und Jugendlichen der Musikschule im spannungsvollen Wechsel von Alt und Jung. Neue Mitglieder sind immer willkommen.
Singen mit Tradition
Wenn zwei renommierte Institutionen sich zusammentun, kommt meistens etwas Gutes heraus – so auch beim gemeinsamen Wirken des Dortmunder Augustinum und der dortigen Chorakademie, der mit fast 1.000 Sängerinnen und Sängern größten Singschule Europas. Seit vielen Jahren ist der KinderKonzertchor der Akademie mit einem Weihnachtskonzert zu Gast im Augustinum, und seit einigen Jahren wird auch der Haus-Chor von einer Musikerin der Chorakademie geleitet: Tabea Creutz stand bereits als Kind mit dem Chor auf der Bühne der Seniorenresidenz. Heute studieren sie und ihr Kollege Gregor Stachowiak einmal in der Woche mit etwa 15 Bewohnerinnen bekannte und beliebte Volkslieder ein und gerne auch Liedgut aus den 1920er Jahren. Zuletzt für das Frühlingskonzert und bald schon wieder für das Weihnachtskonzert, das nun nicht mehr nur aus dem Auftritt des Kinderkonzertchores, sondern auch dem des Haus-Chores und einem Mitsingen für alle besteht.
Für Frohsinn und Geselligkeit
Klopfmassagen von Kopf bis Fuß, Atem- und Stimmübungen: Drei Arten, den Laut „I“ zu singen und den Jingle „Schöner wohnen im Augustinum“. Die wöchentliche Chorprobe im Augustinum Hamburg beginnt mit einem umfangreichen Aufwärmprogramm. „Körper, Geist und Seele müssen aktiviert werden“, sagt Angela Garrn, Leiterin des Bewohnerservice, die den Chor vor einem guten Jahr ins Leben gerufen hat. „Wir bereiten uns und unsere Stimmen vor.“ Das funktioniert so gut, dass im Anschluss schon einmal der Rollator vergessen werde. Alle wissen, dass niemand perfekt singen, keiner Noten lesen können muss. Gesungen wird, was Freude macht und nicht zu kompliziert ist: Volkslieder, Schlager, die Beatles und plattdeutsche Lieder, auch in verschiedenen Sprachen – für eine gebürtige Schwedin auch mal ein skandinavisches Lied. Manche kommen wegen der Geselligkeit. Eine Bewohnerin hört nur zu, eine andere sagt: „Ich mochte nie singen und konnte es auch nie. Jetzt mag ich es – besonders das Beisammensein.“
Silberklang
Seit 15 Jahren leitet Jutta Michel-Becher den Chor des Augustinum München-Neufriedenheim. Rund 40 Sänger*innen kommen jeden Montagvormittag zur Probe. Was die Chorleiterin an der Arbeit mit Senior*innen mag: „Die Bewohnerinnen und Bewohner kommen zuverlässig und haben Freude am Singen.“ Viele können auf Fähigkeiten zurückgreifen, die sie schon lange begleiten. Gleichzeitig stärkt das gemeinsame Musizieren den sozialen Zusammenhalt und bringt Menschen miteinander in Kontakt. Damit alle gut mitsingen können, hat Jutta Michel-Becher spezielles Notenmaterial entwickelt – die Chorbuchreihe Silberklang – nicht zu hoch für Damen und nicht zu tief für Herren. Denn: „Singen ist für alles gut! Für die Atmung, die Konzentration, die Körperhaltung, die Artikulation.“ Und vor allem: „Singen macht glücklich – in der Gruppe singen noch mehr!“ Wer noch zögert, wird eingeladen: „Jeder Mensch in jedem Alter sollte Musik machen können.“ Vorkenntnisse braucht es nicht – einfach vorbeikommen und mitsingen.