Musikalische Steine

Ob als Metapher für Unverwüstlichkeit, für emotionale Kälte oder die Kraft einer kleinen Geste: Der Stein ist ein musikalisches Chamäleon. Die Redaktion präsentiert Ihnen eine handverlesene Playlist, in der Steine eine tragende Rolle spielen, von rockig bis tiefgründig – entdecken Sie die musikalische Vielfalt der Geologie.

Bob Dylan, Coverbild Like a Rolling Stone

Like a Rolling Stone: Bob Dylan, 1965

In der Rock- und Popmusik ist der Stein ein gängiges Symbol, besonders dann, wenn er rollt. Der Begriff des „rolling stone“ bezeichnet einen unsteten Typ ohne feste Bindungen und ist bereits 1950 Titel eines Songs des US-amerikanischen Bluesmusikers Muddy Waters. Berühmt wurde er durch die „Rolling Stones“ und durch Bob Dylans Song „Like a Rolling Stone“, der bis heute als einer der wichtigsten Songs der Rockgeschichte gilt. Für Dylan war der Song auch ein Wendepunkt in seiner Laufbahn als Musiker: Nachdem er innerhalb weniger Jahre mit seinen rein akustisch von Gitarre und Mundharmonika begleiteten Songs zum Idol der Folk- und Protestbewegung geworden war, suchte der erst 24-Jährige nach einer neuen künstlerischen Identität – „Like a Rolling Stone“ markiert diesen Beginn musikalisch und poetisch. Das Lied handelt von der Geschichte einer aus wohlhabendem Umfeld stammenden Frau, die plötzlich alles verliert und auf der Straße landet. Der Text beschreibt ihren sozialen Abstieg und stellt dabei sarkastische Fragen, wie sich dieser Verlust anfühlt. Das im Refrain wiederholte „How does it feel?“ gilt bis heute als eine der bekanntesten Zeilen der Musikgeschichte. Musikalisch kommt es durch die elektrische Verstärkung mit E-Gitarre und Hammondorgel zu einem Bruch mit dem bisherigen akustischen Stil Dylans. Für die beteiligten Musiker gestaltete sich die Aufnahme zunächst chaotisch, da auch Dylan selbst anfangs keine klare Vorstellung vom Sound hatte. Dennoch gelang ihnen innerhalb von zwei Tagen die mehr als sechs Minuten lange Endfassung, eine Mischung aus Folk, Rock und Blues, die das Stück zum „besten Song aller Zeiten“ (Urteil des „Rolling Stone“-Magazins 2004) machte.

Bettina Schumann-Jung

"Like a Rolling Stone" auf YouTube
Drafi Deutscher auf dem Cover seiner Single von 1965

Marmor, Stein und Eisen bricht: Drafi Deutscher, 1965

Text kommt noch: Nulparum ilibust volupta ectat. Od moditas dit lam, qui commodi gnihil ium num quas magnam, temquas volupit facerum fugiaes am facerer isquam sedit acculle ctaquo blaborest, ut aliae conetur adis restius volenda epreptat endigent providestiis et occabor rorio. Dis eat res doles pra ilignim endebit, sum esto dolutem ne num restectias res doluptatur rehendi psaeptae laccae nullest, comni cus prentis itatur maxime volorit iisqui doluptat excepro ium imiliquist alit arit ma volorum eat arcipsunt od qui alique dissim non rerempero blatquisit voloribus alique cum et aut quis dolessit, seque dolupta simpero quam idel int am rem et omni doluptur, corit exerchilla quiam hario. Nemodit antibusam re voluptaturit incipid quosam alique voluptati alita imi, corehent etur, occus volorendit quat vellicipsum dolorem ut molupta tatiur as sandit re lautend uciditibust quosam haris illabores cum quidelitio. Et volent, sin res et laccus eossimin expernat volore, quost moluptat adit et dolorrum vel iducius quidus, est, ulpa quod que cusanist qui volent maionetum fugiandit, aut alibusto diti beaquo mo etur aritatatem autecus volupta que nonsent fuga. Et aut quid quam quibusciet quam a nos sum doluptatque posam experio nsedit hitatur am, optaquo ipsandam, utem harum quiam ut voluptate atur? Equi torunt rem res consequiam num, omnis nonecep eribus sum sapis dolupta essitio veliqui repuda que ex earchil ipsa expe doluptasimi, qui nistis dolore eni ommos maximus, sernat la diantisitae aut es voluptas reptasp elecea vero que pro qui nem incta con pa veliatem nis siminus pra nos asperat iscide parumque latibus dolupta voluptasit vidusdantion 

Christian Topp

"Marmor, Stein und Eisen bricht" auf YouTube
Simon und Garfunkel 1966

I Am A Rock: Simon and Garfunkel, 1966

Als Paul Simon „I Am A Rock“ schrieb, stand er noch am Anfang seiner Karriere. Nach dem Flop des ersten Simon-and-Garfunkel-Albums versuchte er sich solo in England – mit dem festen Ziel, einen Hit zu komponieren. Doch zunächst blieb „I Am A Rock“ erfolglos. Erst nach dem Überraschungshit „The Sound of Silence“ kehrten Simon and Garfunkel gemeinsam ins Studio zurück und spielten „I Am A Rock“ 1966 mit modernerem, kraftvollerem Sound neu ein – diesmal wurde das Lied ein Erfolg. „I am a rock, I am an island“: Der Erzähler erklärt sich zum Felsen, zur Insel – hart, unbeweglich, abgeschottet von der Welt. Der Stein steht als Bild für emotionalen Selbstschutz: Wer sich verhärtet, kann nicht verletzt werden. Interessant ist Paul Simons Umgang mit dem Wort „rock“. Während es in den 1960er-Jahren meist für Musik oder ein Lebensgefühl stand, meinte er tatsächlich einen Stein – ein Stück Gestein, kalt und gefühllos. Diese wörtliche Verwendung griff er später noch einmal auf, so in „Loves Me Like A Rock“ (1973). „I Am A Rock“ brauchte einen zweiten Anlauf – und die wiedergefundene Zusammenarbeit von Simon and Garfunkel –, um sein Publikum zu erreichen. So wurde aus einem zunächst überhörten Titel schließlich ein Klassiker der 1960er-Jahre.

Judith Eisermann

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Manfred Siebald, 2014
Foto: Wolfram S. C. Heidenreich
Manfred Siebald, 2014

Ins Wasser fällt ein Stein: Kurt Kaiser / Manfred Siebald, 1973

Eines der bekanntesten modernen Kirchenlieder im deutschsprachigen Raum hat in Wahrheit US-amerikanische Wurzeln: Die Melodie stammt nämlich vom Komponisten Kurt Kaiser, der 1969 das christliche Lied „Pass it on” in die Welt setzte. Der eingängige Ohrwurm wurde nicht nur von der evangelikalen Jugend der USA gut aufgenommen, sondern auch von Manfred Siebald, der 1973 den Text recht frei übersetzte und ihm eine neue Bildsprache gab. Die Metapher vom Stein, der immer größere Kreise im Wasser zieht, wird seitdem gerne eingesetzt, wenn es darum geht, Hoffnung zu verbreiten: Eine noch so kleine Tat kann große Auswirkungen haben. Dieses Bild der Zuversicht ist inzwischen mehr als 50 Jahre alt, gehört aber immer noch zu den bekanntesten Liedern des „Neuen Geistlichen Lieds“ und steht in vielen Gesangs- und Jugendliederbüchern beider Konfessionen.

Solveig Michelsen

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judith holofernes im video zum song "denkmal" von "wir sind helden"

Denkmal: Wir sind Helden, 2004

Es gibt Songs, die zu erkennen genügt ein Ton. „Denkmal“ von „Wir sind Helden“ gehört zu diesen Songs. Eigentlich beginnt das Stück mit einem eingesprochenen Text einer fiktiven SMS, der jedoch oftmals abgeschnitten wird – dann beginnt es mit dem Gitarren-Riff. Sofort ist es wieder da. Das Gefühl dieser Zeit. „Denkmal“ ist der Aufruf, seine vermeintlich unperfekte Liebe zu leben, losgelöst von Erwartungen, die auf junge Menschen aus unterschiedlichen Seiten einprasseln. Ein altes Thema, doch die Art der Botschaftsübermittlung war völlig neu. Kein aggressiver Punk, kein anklagender passiver Protest des Folk, keine „happy Sunshine“-Stimmung der Popmusik. Aus dem Radio tönte eine Band mit eigenem Stil und intelligenten, gesellschaftskritischen Texten. Judith Holofernes war die Frontfrau der Band „Wir sind Helden“, die sich 2012 auflöste. Eine junge Frau, erfrischend normal, ohne Attitüde oder stilbildende Ambitionen. Sie steht auf der Bühne mit allem, was sie hat. Ohne den Schutz einer Kunstfigur – allein ihr Name ist ein Pseudonym. Holofernes‘ Stimme, ist klar, die Melodie freundlich, kein Krawall – mit einer nachdrücklich formulierten Botschaft: „Hol den Vorschlaghammer!“, denn „in Stein gemeißelt“ erdrückt jede Freiheit und nimmt die Luft zum Atmen. Die „Helden“-Sängerin war für mich – und sicher auch für andere Frauen meiner Generation – ein Vorbild: natürlich, selbstbewusst, intelligent, meinungsstark – ohne laut oder schrill sein zu müssen. Den Text von „Denkmal“ kann ich bis heute mitsingen. Ich gehe jetzt mal „meinen Vorschlaghammer“ suchen. Ich hatte ihn doch neulich erst in der Hand …

Mirjam Messmer

"Denkmal" auf YouTube
der sänger peter fox vor großstadtkulisse

Ich Steine, Du Steine: Peter Fox, 2008

Der Berliner Sänger Peter Fox, einer der beiden Frontmänner der Dancehall-Band Seeed, veröffentlichte 2008 sein einziges Soloalbum „Stadtaffe“ – mit großem Erfolg. Neben gut gelaunten Tanz-Tracks finden sich einige nachdenkliche Stücke auf der CD, in denen Streich- und Percussioninstrumente dominieren. In „Ich Steine, Du Steine“ erzählt Peter Fox sehr eindringlich die melancholische Geschichte einer Beziehung, die vom Erzähler infrage gestellt wird – mit überraschendem Ausgang. Das „Steine“-Motiv taucht hier mehrmals auf: Der Titel „Ich Steine, Du Steine“ kommt im Text nicht vor, ist jedoch die Zusammenfassung der Passage „zusammen allein / denn wir haben kein Alphabet das wir beide teilen“. Ein Paar ohne gemeinsame Sprache, das sich nichts (mehr?) zu sagen hat. Die erste Strophe lautet: „Ich kletter’ hoch / es rollen Steine / und sie fallen auf dich drauf. / Du siehst sie kommen / gehst nicht zur Seite / du dachtest du fängst sie auf.“ Die Treffer der rollenden Steine sind beim Zuhören deutlich spürbar. Der Beginn verheißt keinen guten Ausgang für die Beziehung. In der Mitte des Songs stellt der Erzähler fest: „Ich kann nicht mit und nicht ohne dich / vielleicht besser ohne dich.“ Und noch einmal wird die Last der Situation durch Steine verdeutlicht. „Du hast gekocht / es gab Steine / die liegen jetzt in meinem Bauch / sie sind schwer / ich bin alleine / bitte wer schneidet mich auf?“ Nun verändert der Erzähler die Perspektive, betrachtet die Person neben ihm, geht weiter zum „Wir“. „Wir geh’n ein Stück weg / kommen zurück. / Und wir erkennen das perfekte Glück war, ist und bleib ein Fiebertraum / und wir sind echt.“ Die Erkenntnis, dass das, was bisher als „perfekt“ definiert wurde, keiner Realität entspricht, lässt nur einen Schluss zu: „Ich kann nicht mit / und nicht ohne dich, / aber vor allem nicht ohne dich.“

Mirjam Messmer

"Ich Steine, Du Steine" auf YouTube