Deutsche Gebärdensprache (DGS)

SHF

"Wissenswert"

Passend zur Vorstellung unseres Augustinum Studienheims für Hörgeschädigte wollen wir die Deutsche Gebärdensprache (DGS) und ihre Vielseitigkeit vorstellen.

In Deutschland leben rund sechs Millionen Menschen mit einer Hörschädigung, davon sind rund 100.000 Menschen taub und gehörlos. Von der Gebärdensprache profitieren jedoch alle Menschen: Gebärdensprache vermittelt erfolgreich zwischen gehörlosen und hörenden Menschen und sorgt für eine gleichberechtigte Teilhabe am gesellschaftlichen, kulturellen und  politischen Leben.

Die Deutsche Gebärdensprache, kurz DGS, ist eine vollwertige Sprache und wurde ins immaterielle Weltkulturerbe der UNESCO aufgenommen. Sie ist also keine Übersetzung des Deutschen, in der Begriffe pantomimisch mit Händen nachgestellt werden. Gebärdensprachen bestehen aus Handzeichen, Mimik und Körperhaltung. Sie verfügen über ein umfassendes Vokabular und eine eigenständige Grammatik, die anderen Regeln folgt als die Grammatik gesprochener Sprachen. Erst seit 2002 ist die Deutsche Gebärdensprache durch das Behindertengleichstellungsgesetz offiziell als eigenständige Sprache anerkannt. In Deutschland gibt es mehrere regionale Dialekte und Soziolekte (Sprachgebrauch einer sozialen Gruppe, z.B. Jugendsprache).

Soziale und kulturelle Basis der Gebärdensprachgemeinschaft

Die DGS bildet das soziale und kulturelle Fundament der deutschen Gebärdensprachgemeinschaft. Es war ein langer Weg bis zu ihrer offiziellen Anerkennung: Seit dem 18. Jahrhundert sind Forschungen über die Bildung gehörloser Kinder bekannt. In Leipzig wurde 1788 die erste staatliche Schule für gehörlose Kinder gegründet. Durch einen Beschluss 1880 durfte die Gebärdensprache an diesen Schulen nicht mehr verwendet werden. Erst 130 Jahre später, 2010, auf der Internationalen Konferenz zur Bildung und Erziehung Gehörloser (ICED) in Vancouver/ Kanada, wurde diese Entscheidung revidiert. Der
Beschluss: Alle Nationen sind dazu aufgerufen, dass Bildungsprogramme für Gehörlose alle Sprachen und alle Kommunikationsformen respektieren. Dessen Umsetzung zeichnet sich als langsamer Prozess ab. Veränderungen sind möglich, wenn alle Pädagog*innen im Hörgeschädigtenbereich sich die DGS aneignen und so Defizite abbauen. Im Augustinum Studienheim wurde ein
erster Schritt unternommen: 2018 fand der Inklusionsfachtag für alle Erzieher*innen, Heilpädagog*innen und den Fachdienst statt. Bei den Mitarbeitenden fing ein Umdenken an, Gebärdensprache nimmt seitdem einen größer werdenden Raum ein. Die Schülerinnen und Schüler der beiden Internate sind darüber sehr dankbar. Das augustinische Beispiel zeigt, wie elementar eine
funktionierende gleichwertige Kommunikation ist. Und wir alle müssen immer wieder feststellen: Kommunikation ist ein Menschenrecht!

Auch im Augustinum treffen sich die pädagogischen Fachkräfte mit Förderschwerpunkt Hören weiterhin regelmäßig, um Projekte zu besprechen und
umzusetzen.

Andreas Unruh
Pädagoge im Augustinum Studienheim,
gehörlos, hat 2018 den Inklusionsfachtag initiiert.

 

Weiterführende Links zum Thema:
Gehörlosenverband München und Umland e.V. www.gmu.de
Website für Taube, Schwerhörige und Hörende: www.taubenschlag.de