Die Öffnung der Gruft Heinrichs des Löwen und die Instrumentalisierung des Braunschweiger Doms

Braunschweig

Vortrag von Prof. Dr. Ulrich Menzel

Im Zuge der nach der Machtergreifung der NSDAP forcierten Neugliederung des Reiches wäre das kleine, zersplitterte Land Braunschweig in einer Provinz Hannover aufgegangen. Perspektivisch sollten ferner die Parteigaue mit den Provinzen verschmolzen werden. Um die Selbständigkeit seines Landes zu behaupten, startete Ministerpräsident Klagges eine Initiative, Braunschweig aus dem Parteigau Südhannover-Braunschweig herauszulösen und zu einem Parteigau Ostfalen mit Braunschweig als Gauhauptstadt aufzuwerten. Zu dessen Legitimierung sollte der Sachsenherzog Heinrich als dessen Stammvater dienen. Dazu ließ Klagges 1936 die Gruft von Heinrich und Mathilde im Braunschweiger Dom öffnen, um die erhofften Funde in einem Schrein zu präsentieren. Die unter strikter Geheimhaltung erfolgte Grabung brachte nur ein enttäuschendes Ergebnis. Hitler, der bei seinem überraschenden Besuch im Juli 1935 in Braunschweig die Grabung zu sehen verlangte, zog das von ihm nicht gebilligte Vorhaben an sich, um zu verhindern, dass der Dom in ein Sachsenheiligtum verwandelt wird, war sein Held doch Barbarossa und Heinrich nur ein Rebell, der sich gegen den Kaiser aufgelehnt hatte. Bis 1940 wurde eine neue Gruft gebaut und der Dom mit gefälschten Artefakten und NS-Symbolen reromanisiert und als „Staatsdom“ der Landeskirche entzogen.

Literatur zur Vorbereitung: Ulrich Menzel, Zwischen Deutschen Christen und Neuen Heiden. Hitlers überraschender Besuch vom Juli 1935 in Braunschweig, die Umwidmung des Braunschweiger Doms und die Neukonzipierung der „Gemeinschaftssiedlung Lehndorf“ und deren Kirche. Wolfenbüttel 2021.

Foto: Von Photo by PtrQs, CC BY-SA 4.0, commons.wikimedia.org/w/index.php

Ort

Augustinum Braunschweig

Am Hohen Tore 4A

38118 Braunschweig

Uhrzeit
19:00 Uhr
Eintritt
8 Euro
Veranstaltungsart
Vortrag
Vortragende/-r
Prof. Dr. Ulrich Menzel
Veranstaltungsreihe
Vielstimmig