
Kassel
Der jüdische Einfluss auf die Geschichte der modernen populären Musikkultur ist nicht zu unterschätzen. Nicht nur in Klassik, auch im Jazz und der Popkultur waren jüdische Akteure in herausragender Position vertreten. Eines der vielen Beispiele für diesen Einfluss ist das bekannteste Weihnachtslied der Popularmusik „White Christmas“, das vom Juden Irving Berlin komponiert wurde. Vor allem Nachfahren jüdischer Emigranten aus Osteuropa waren als Komponisten oder Texter in Amerika erfolgreich. Sie leisteten stilbildend Beiträge für die Entwicklung der Musikkultur, so auch im Bereich der modernen Musicals, für die der Broadway in New York die Heimstätte war. Beispiele aus den 1930er und 1940er Jahren sind z. B. die Musicals "Porgy and Bess" von George und Ira Gershwin (Song: "Summertime"), "Carousel" von Richard Rodgers und Oscar Hammerstein (Song: "You'll never walk alone") oder "Show boat" von Jerome Kern (Song: "Ol' man river"). Wenn man die Leinwandmusicals hinzunimmt, muss der Film "Der Zauberer von Oz" genannt werden. Jüdischer Komponist war Harold Arlen, der bekannteste Song daraus ist "Somewhere over the rainbow". Diese Liste lässt sich lange fortsetzen bis in die Zeit der Rock- und Popära: "Myfair lady", "West side story", "Sound of music", "Les miserablés", "Miss Saigon" stammen allesamt von jüdischen Komponisten.
Sängerin Nicole Jukic und Gitarrist Frank Sommerfeld präsentieren in der Veranstaltung „Broadway Musicals. Zum jüdischen Einfluss auf die Musicals seit den 1930er Jahren" viele der bekannten Songs, die häufig zum Bestandteil des Great American Songbooks geworden sind.
Mit ihren Erläuterungen gehen sie auf musikalische und inhaltliche Bezugspunkte von Musicals und Judentum ein. Musikalisch kamen die Anknüpfungspunkte gerade nicht aus der Klezmer-Tradition. Anleihen erfolgten bei musikalischen Motiven aus Ragtime, Blues und Jazz. Sehr interessant ist auch die Wahl der Thematik vieler Musicals. Inhaltlich geht es eher nicht um typisch jüdische Themen, aber die Erfahrungen der jüdischen Einwanderer haben dennoch großen Einfluss. Schließlich haben die Familien, die als Einwanderer nach Amerika gekommen waren, Antisemitismus erfahren – auch in ihrer neuen Heimat. Viele Musicals erzählen Geschichten von Ausgrenzung und Ungerechtigkeit und haben die Frage der Identität anhand anderer Randgruppen zum Thema.
Nicole Jukic konzertiert mit Soloprogrammen und als ausgezeichnete Vocalistin in verschiedenen Formationen. So hatte sie schon in 2010 den Kasseler Kunstpreis erhalten. Beim Rock- und Pop-Preis 2021 der Deutschen Popstiftung wurde sie zweifach ausgezeichnet. Mit Frank Sommerfeld hat sie einen einfühlsamen und profilierten musikalischen Begleiter.
Foto: Nicole Jukic & Frank Sommerfeld / Foto: Karsten Socher
Festsaal des Augustinum Kassel
Im Druseltal 12
34131 Kassel – Bad Wilhelmshöhe