Broadway Musicals neu betrachtet

Augustinum Braunschweig

Nicole Jukic und Frank Sommerfeld begeisterten das Publikum im Augustinum Braunschweig mit Broadway-Melodien jüdischer Komponisten und Texter.

Bereits zum zweiten Mal trat das Duo Nicole Jukic (Gesang, Melodica, Violine) und Frank Sommerfeld (Gitarre) im Augustinum Braunschweig auf – in Kooperation mit der Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit. Sie haben es sich zum Ziel gesetzt, den Beitrag jüdischer Künstlerinnen und Künstler zur populären Musikkultur sicht- und vor allem hörbar zu machen. In diesem Konzert standen Melodien aus Broadway-Musicals seit den 1930er Jahren im Fokus: bekannte und beliebte Stücke aus „Porgy und Bess“, „Der Zauberer von Oz“, „My Fair Lady“, „Westside Story“, „Fiddler on the roof“, aber auch aus – zumindest hier in Deutschland – weniger bekannten Musicals. Und gleich drei Stücke von Kurt Weill zeigten seine musikalische Bandbreite: „Mackie Messer“ aus der Dreigroschenoper und zwei Titel aus Broadway-Musicals, von denen „Speak low“ zu einem Jazz-Klassiker geworden ist.

Selbst Kenner waren erstaunt, wie viele der beliebtesten, aber auch der weniger bekannten Musicals von jüdischen Komponisten und Textern stammen – oft Einwanderer aus Osteuropa oder später Emigranten aus NS-Deutschland. Frank Sommerfeld hatte für seine Moderation Informationen zusammengestellt, aber wegen der schieren Fülle des Materials gekürzt, damit es kein „Proseminar mit Musik“ würde. Interessant seine Beobachtung, dass wenige genuin jüdische Themen behandelt werden, es aber oft um marginalisierte Gruppen geht („Porgy und Bess“, „Westside Story“).

Die beiden Vollblutmusiker beindruckten durch ihr temperamentvolles, dabei aber präzises Zusammenspiel, mitreißende Bearbeitungen in Richtung Jazz und Latin und vor allem durch die großartige, wandlungsfähige Stimme von Nicole Jukic; eine „wunderbare Musical-Stimme“, wie ein Zuruf aus dem Publikum beim Schlussapplaus bestätigte. Das Publikum konnte kaum die Füße stillhalten.