NOTHELFER

Heidelberg

Vernissage zur Ausstellung von Kerstin Jeckel und Karl-Martin Hartmann

Interview/Moderation: Uwe Hinze (Direktor des Augustinum Heidelberg)

Der Begriff des Nothelfers steht traditionell für Beistand, Orientierung und Unterstützung in schwierigen Lebenssituationen. Die Ausstellung „NOTHELFER“ von Kerstin Jeckel und Karl-Martin Hartmann greift dieses Motiv auf und fragt, was Menschen in Zeiten von Unsicherheit und Wandel Halt geben kann. Sind es andere Menschen, Erinnerungen, Werte oder Bilder, die uns tragen?

Dabei verstehen die Künstler den Nothelfer nicht als Heldengestalt, sondern als Symbol für Verlässlichkeit, Aufmerksamkeit und Mitmenschlichkeit. In Malerei, Fotografie und raumbezogenen, wie auch öffentlichen Arbeiten beschäftigen sie sich mit Wahrnehmung, Erinnerung und menschlicher Verbundenheit. Ihre Werke geben keine fertigen Antworten, sondern eröffnen Räume für Reflexion und persönliche Auseinandersetzung. Sie zeigen, dass Orientierung oft weniger aus Gewissheiten als aus der bewussten Beschäftigung mit den Dingen entsteht, die uns prägen und miteinander verbinden. Kunst wird so selbst zum „Nothelfer“: Sie eröffnet neue Perspektiven, schärft die Wahrnehmung und schafft Verbindungen zwischen individueller Erfahrung und gemeinschaftlichem Erleben.


Informationen zur Künstlerin und zum Künstler:

Kerstin Jeckel (*1960, Wiesbaden) lebt und arbeitet in Wiesbaden. Nach einer Ausbildung zur Verlagskauffrau studierte sie von 1983 bis 1989 Freie Malerei und Kunsttheorie an der Städelschule Frankfurt am Main bei Thomas Bayrle, Johannes Schreiter und Raimer Jochims. Seit den 1980er Jahren entwickelt sie ein vielschichtiges Werk aus Malerei, Installation und konzeptioneller Kunst. Im Mittelpunkt stehen Natur, Erinnerung, Empathie und zwischenmenschliche Beziehungen. Ihre Arbeiten entstehen aus genauer Beobachtung von Landschaften, Atmosphären und Alltagserfahrungen, die sie in eigenständige künstlerische Bildwelten überführt. Jeckels Werk verbindet persönliche Wahrnehmung mit gesellschaftlicher Verantwortung und lädt zu Offenheit gegenüber unterschiedlichen Perspektiven ein. Ihre Arbeiten sind in öffentlichen und privaten Sammlungen vertreten, und sind in Ausstellungen zu sehen.

Karl-Martin Hartmann (*1948, Wiesbaden) studierte zunächst Biologie in Mainz und schloss als Diplom-Mikrobiologe ab, bevor er von 1979 bis 1985 an der Städelschule Frankfurt Kunst studierte. Sein Werk umfasst Fotografie, Glasgestaltung und Installationen. Fotografie versteht er als „Ausschnitt aus Raum und Zeit“ und als Medium der Reflexion über Wahrnehmung und Erinnerung. Daneben widmet er sich, in Ergänzung zur digitalen Vorgabe, historischen fotografischen Verfahren sowie der Arbeit mit Glas. Bedeutende Glasarbeiten und Raumgestaltungen entstanden unter anderem für den Mariendom in Linz, die Gesamtverglasungen der Stadtkirche St. Nikolaus in Rosenheim und St. Nicolai in Kalkar sowie eine raumgreifende Installation im Museum Reinhard Ernst in Wiesbaden. Zudem entstand die Gedenkstätte für die Opfer des Eissporthallenunglücks in Bad Reichenhall.


Gemeinsames Wirken:

Seit Jahrzehnten arbeiten Kerstin Jeckel und Karl-Martin Hartmann in einem gemeinsamen Atelier zusammen. Ihre Projekte verbinden künstlerische Erfahrungen mit gesellschaftlichen Fragestellungen. Besondere Bekanntheit erlangte das von ihnen initiierte internationale Netzwerk „Stelen der Toleranz“, das weltweit Zeichen für Menschenwürde, Offenheit, Dialog und friedliches Zusammenleben setzt. In ihrer gemeinsamen Arbeit verbinden Jeckel und Hartmann künstlerische Klarheit mit einer Haltung, die den Menschen und seine Verantwortung für die Gemeinschaft in den Mittelpunkt stellt. Die Ausstellung „NOTHELFER“ bringt diese Grundhaltung eindrucksvoll zum Ausdruck.

 

Bilder: Ausschnitte aus „OUTSIDE IN * 1“ (links - Kerstin Jeckel) und „Bausteine für ein neues Jerusalem“ (rechts - Karl-Martin Hartmann)


Weitere Infos & Termine zum Kulturprogramm im Augustinum Heidelberg finden Sie hier.


 

Ort

Augustinum Heidelberg, Jaspersstraße 2, 69126 Heidelberg

Uhrzeit
16:00 Uhr
Eintritt
frei (inkl. Sektempfang)
Veranstaltungsart
Ausstellungseröffnung
Veranstaltungsreihe
GALERIE IM AUGUSTINUM