75 Jahre Augustinum Berchtesgadener Land

Eine Geschichte mit Zukunft

Am 6. Mai 1951 wurde das evangelisch-lutherische Altersheim Insula dort eröffnet, wo sich heute das Augustinum Berchtesgadener Land befindet. Auf dem Campus in Bischofswiesen befinden sich mittlerweile ein Pflegezentrum mit Tagespflege, ein ambulanter Pflegedienst, Wohnangebote für Senior*innen,  eine Kindertagesstätte mit Kinderkrippe und Kindergarten sowie Adipositas Wohngruppen der Jugendhilfe, eine Berufsfachschule für Pflege und eine Vorsorgeklinik.

Jetzt blickt der Campus der ehemaligen „Insula" auf 75 Jahre soziales Engagement zurück. Im Mittelpunkt dieser Zeitreise stehen die Menschen, die hier Heimat und Unterstützungen fanden und die Mitarbeitenden, die diesen Ort seit Jahrezehnten mit Herz und Verantwortung prägen. Der Blick zurück stärkt den Blick nach vorn: Für eine Zukunft, die von Menschlichkeit, Vielfalt und Zusammenhalt geprägt ist. 

 

Das Augustinum Berchtesgadener Land von den Anfängen bis in die Gegenwart

1938

Das nationalsozialistische Regime plant eine „Reichssportschule" für den „Bund Deutscher Mädel" auf dem Hochmoor in der Strub. Dafür beginnen aufwändige Bauarbeiten mit der Trockenlegung des Hochmoors. Während des Zweiten Weltkriegs setzt die Wehrmacht die Bauarbeiten fort und nutzt das Gelände für militärische Zwecke. 

1945

Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges verwalten die amerikanischen Streitkräfte das Gelände. Durch die Flüchtlingsorganisation „United Nations Relief and Rehabilitation Administration" (UNRRA) fanden ehemalige KZ-Häftlinge, Zwangs- und Fremdarbeiter*innen sowie Kriegsgefangene in den Gebäuden in der Strub ein Obdach. Das Gelände wird zur „Insula" – eine rettende Insel mit eigener Gemeinschaft. Das Gelände geht in den Grundbesitz des Freistaates Bayern über.

1949

Die „International Refugee Organisation" (IRO) hat das Lager übernommen und bringt dort gemeinsam mit dem „Lutherischen Weltbund" vor allem evangelisch-lutherische Christen aus dem Baltikum unter. Viele junge Bewohner*innen verlassen das Lager nach einiger Zeit und wandern aus, wobei die äteren Bewohner*innen in der Strub zurückbleiben. Die IRO mus auf den veränderten Bedarf reagieren, zugleich soll das Lager bald an eine deutsche Organisation übergeben werden. 

1950

Die IRO richtet in der Strub ein Altenheim ein und übergibt die Verantwortung für das Gelände an die Innere Mission. Die Schwestern des Mutterhauses für kirchliche Diakonie nehmen gemeinsam mit Brüdern der Rummelsberger Diakonie und Mitarbeiter*innen des Lutherischen Weltbundes die Arbeit in der Insula auf.

1951

Am 6. Mai 1951 wird das evangelisch-lutherische Altersheim Insula eröffnet und die Insula-Kirche geweiht. Zu dieser Zeit sind bereits 67 Schwestern im Dienst und 413 Bewohner*innen leben in dem Alten- und Pflegeheim. 

1962

Die Personalnot in der Altenpflege führt zur Einrichtung einer Altenpflegeschule auf dem Campus, die 1967 staatlich anerkannt wird. Auch eine Schule für junge Frauen mit einem hauswirtschaftlich-pflegerischen und einem sozialpädagogischen Ausbildungszweig wird 1962 eröffnet. Ein Jahr später besuchen die ersten Kinder den angeschlossenen Lehrkindergarten. 

1974

Aus personellen und wirtschaftlichen Gründen wird aus dem Mutterhaus für kirchliche Diakonie per Satzungsänderung das „Evangelisch-Lutherische Diakoniewerk Hohenbrunn". Das Gelände verändert sich: In den folgenden Jahren entsteht ein neues Appartementgebäude mit rund 185 Wohnungen für Senior*innen. 

1987

Mit dem Schuljahr 1987/88 erhält das Erziehungs- und Ausbildungsangebot auf dem Campus eine neue Struktur, bestehende Einrichtungen werden ergänzt und in einem Schulzentrum zusammengefasst, neben dem Kindergarten eröffnet ein Hort für Schulkinder und in sechs berufsbildenden Schulen werden acht Ausbildungsgänge angeboten, etwa ein Grundlehrgang für Hauswirtschaft, eine Berufsfachschule für Diätetik und eine Berufsfachschule für Kinderpflege. Nur die Berufsfachschule für Altenpflege besteht bis heute. 

1992

Das Angebot auf dem Gelände wird um eine Adipositas-Rehabilitationsklinik für Jugendliche erweitert: Die jungen Patient*innen verlieren medizinisch begleitet mit einer Ernährungsumstellung und -schulung, Sport und psychotherapeutischer Unterstützung möglichst viel Gewicht. 2008 verändert sich das Behandlungskonzept: Statt eines mehrmonatigen Aufenthaltes ziehen die adipösen Jugendlichen in betreute Wohngruppen dauerhaft auf das Gelände.

2001

Das Diakoniewerk Hohenbrunn erwirbt den Grundbesitz in der Strub vom Freistaat Bayern. Einzelne Gebäude werden saniert und 2003 werden erste Appartements in Wohnungen für Betreutes Wohnen umgebaut. Ein Jahr später wird das modernisierte Pflegezentrum eingeweiht, zugleich werden erste Tagespflegeplätze geschaffen. Gleichzeitig kämpft das Diakoniewerk Hohenbrunn mit erheblichen wirtschaftlichen Schwierigkeiten, die sich in den folgenden Jahrzehnten immer weiter verschärfen. 

2019

Ein neues Angebot entsteht: Umgeben von der einmaligen Natur des Berchtesgadener Landes und mit professioneller Unterstützung können sich Eltern und bald auch pflegende Angehörige in der Strub in Ruhe von ihrem herausfordernden Alltag erholen. Seither kommen Menschen aller Altersgruppen in den Einrichtungen auf dem Campus zusammen.

2021

Der Campus verändert sich: Für das Betreute Wohnen wird ein neues Gebäude errichtet, wofür alte Gebäudeteile weichen mussten. Zum Ende des Jahres beginnt die Zusammenarbeit des Diakoniewerks Hohenbrunn mit der Augustinum Gruppe. Der gemeinnützige Münchener Dienstleistungskonzern betreibt Seniorenresidenzen, eine Klink und zwei Sanatorien, Schulen, Kindertagesstätten und Behinderteneinrichtungen. 

2023

Das Diakoniewerk Hohenbrunn in Bischofswiesen wird hundertprozentige Tochter des Augustinum und firmiert nun als Augustinum Berchtesgadener Land gemeinnützige GmbH. Durch das Münchener Sozialunternehmen eröffnen sich in der Strub neue Gestaltungsspielräume. Das Angebot auf dem Gelände soll bald um eine augustinische Seniorenresidenz erweitert werden.

2026

Seit der Eröffnung des „Evangelisch-Lutherischen Altenheimes Insula“ im Jahr 1951 hat sich viel verändert. Seit 75 Jahren geblieben ist ein kompetentes und breites Angebot für junge und alte Menschen im Berchtesgadener Land.